SIBO bezeichnet eine Überwucherung von Bakterien im Dünndarm und kann Symptome wie Blähungen, Gase, Bauchschmerzen und veränderte Stuhlgewohnheiten sowie eine Reihe weiterer, weniger spezifischer Beschwerden verursachen. Verschiedene Faktoren können zu SIBO beitragen, darunter eine eingeschränkte Darmmotilität und Veränderungen der Magensäureproduktion. Bei Menschen mit IBS wurde eine relevante Häufigkeit von SIBO beobachtet. Da Magen-Darm-Beschwerden viele verschiedene Ursachen haben können, ist es wichtig, das gesamte Beschwerdebild zu betrachten. Ein langfristiger Ansatz sollte sich nach Möglichkeit nicht ausschließlich auf die bakterielle Überwucherung konzentrieren, sondern auch auf die Faktoren, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben könnten.
SIBO steht für Small Intestinal Bacterial Overgrowth und bezeichnet eine Überwucherung von Bakterien im Dünndarm. Unter normalen Bedingungen befinden sich im Dünndarm nur wenige Bakterien. Er ist von einer dünnen Schleimschicht bedeckt, die dazu beiträgt, den Transport des Nahrungsbreis durch den Dünndarm zu erleichtern.
Der Dünndarm hat eine Oberfläche von etwa 40 Quadratmetern – ungefähr so groß wie ein halbes Badmintonfeld – und seine wichtigste Aufgabe besteht darin, Nährstoffe aus der Nahrung in den Blutkreislauf aufzunehmen.
Der Dickdarm hingegen hat eine Oberfläche von etwa 2 Quadratmetern und ist vor allem für die Aufnahme von Wasser und Salzen zuständig. Außerdem ist er anders aufgebaut als der Dünndarm: Zwei kräftige Schleimschichten tragen dazu bei, dass Bakterien und bakterielle Toxine nicht direkt mit der Darmschleimhaut in Kontakt kommen und diese schädigen.
Wenn sich Bakterien im Dünndarm vermehren, kann die dünne Schleimschicht möglicherweise keinen ausreichenden Schutz mehr vor Bakterien und bakteriellen Toxinen bieten. Dies kann die Darmschleimhaut schädigen und zu einer erhöhten Darmdurchlässigkeit beitragen, die häufig als „Leaky Gut“ bezeichnet wird. Außerdem kann die Funktion von Immunzellen beeinträchtigt werden, die in der Dünndarmwand liegen. Dort befinden sich etwa 70 % der Immunzellen des Körpers.
Bakterien im Dünndarm können außerdem Nährstoffe verbrauchen und dabei Gase produzieren. Dies kann zu Beschwerden wie Blähungen, Gasen, Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung beitragen. Auch andere mikrobielle Stoffwechselprodukte können in den Blutkreislauf gelangen. Zwei solcher Stoffwechselprodukte wurden als mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung von Arteriosklerose und Stoffwechselveränderungen wie Insulinresistenz sowie für die Entstehung von Bauchfett beschrieben.
Forschungen zeigen, dass bei bis zu 85 % der Menschen mit IBS SIBO vorkommen kann. In diesem Artikel erfahren Sie, was SIBO ist, wie häufig es vorkommt, welche Symptome auftreten können, welche Faktoren dazu beitragen können und wie SIBO untersucht und behandelt werden kann.
Die wichtigsten Fakten zu SIBO
- SIBO bezeichnet eine Überwucherung von Bakterien im Dünndarm.
- Die meisten Bakterien der Darmflora befinden sich normalerweise im Dickdarm.
- SIBO kann Blähungen, Gase, Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung verursachen.
- Verschiedene Faktoren können zu SIBO beitragen, darunter eine verringerte Magensäureproduktion und eine eingeschränkte Darmmotilität.
- SIBO kann die Verdauung und die Aufnahme von Nährstoffen beeinflussen.
- SIBO kann unter anderem gemeinsam mit IBS auftreten.
- SIBO wurde mit Müdigkeit, Brain Fog, Konzentrationsproblemen, neurologischen Symptomen, Hautbeschwerden, insbesondere Rosazea, Stoffwechselveränderungen und Angstzuständen/Depressionen in Verbindung gebracht.
- Da die Symptome auch bei vielen anderen Magen-Darm-Beschwerden auftreten können, ist eine angemessene medizinische Abklärung wichtig.
Wie häufig ist SIBO?
Die genaue Häufigkeit von SIBO in der Allgemeinbevölkerung ist nicht bekannt, da die Ergebnisse je nach Testmethode und diagnostischen Kriterien variieren.
Studien deuten jedoch darauf hin, dass etwa 5–15 % der Menschen ohne deutliche Magen-Darm-Beschwerden Befunde aufweisen können, die mit SIBO vereinbar sind.
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2026 berichtete eine zusammengefasste Prävalenz von etwa 11,5 % bei Kontrollpersonen ohne relevante Magen-Darm-Beschwerden, verglichen mit etwa 39 % bei Menschen mit funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen.
Insgesamt sind etwa 10 % daher eine realistische Schätzung für Menschen ohne deutliche Magen-Darm-Beschwerden. Bei Personengruppen mit beispielsweise IBS oder anderen gastrointestinalen Beschwerden scheint die Häufigkeit deutlich höher zu sein.
Welche Symptome kann SIBO verursachen?
SIBO kann unterschiedliche Beschwerden im Magen-Darm-Trakt verursachen. Häufige Symptome sind:
- Blähungen
- Gase
- Bauchschmerzen oder Beschwerden im Bauch
- Durchfall
- Verstopfung
- Veränderte Stuhlgewohnheiten
- Beschwerden nach dem Essen
Welche Symptome auftreten, kann unter anderem davon abhängen, welche Mikroorganismen vorherrschen und wie der Darm funktioniert.
Da dieselben Symptome auch bei IBS und anderen Magen-Darm-Erkrankungen auftreten können, lässt sich allein anhand der Symptome nicht feststellen, ob SIBO vorliegt.
Wasserstoff, Methan und SIBO
Bakterien und andere Mikroorganismen im Darm produzieren bei der Fermentation von Kohlenhydraten verschiedene Gase.
Bei der Untersuchung auf SIBO werden vor allem Wasserstoff und Methan in der Ausatemluft gemessen.
Wasserstoff wird häufiger mit Durchfall in Verbindung gebracht, während Methan stärker mit Verstopfung verbunden ist. Methan wird jedoch nicht von Bakterien, sondern von Mikroorganismen gebildet, die als Archaeen bezeichnet werden.
Bei einer Methanüberwucherung wird deshalb häufig der Begriff IMO (Intestinal Methanogen Overgrowth) anstelle von SIBO verwendet. Methanproduzierende Mikroorganismen können nämlich auch im Dickdarm vorkommen und dort unter anderem zu Verstopfung beitragen.
Es gibt derzeit keine Behandlung, die Methan produzierende Mikroorganismen im Dickdarm selektiv beseitigen kann.
Was verursacht SIBO?
Forschungen haben einen Zusammenhang zwischen chronischem Stress, mit oder ohne die Einnahme langwirksamer säurereduzierender Medikamente, und SIBO gezeigt.
Mögliche beitragende Faktoren sind unter anderem:
- Eine eingeschränkte Darmmotilität, häufig im Zusammenhang mit chronischem Stress
- Veränderungen der Magensäureproduktion
- Frühere Darminfektionen, beispielsweise nach Reisedurchfall
- Strukturelle Veränderungen im Magen-Darm-Trakt
- Bestimmte Erkrankungen, die die Darmbewegung beeinflussen
- Bestimmte Medikamente
Es ist daher wichtig, sich nicht ausschließlich auf die bakterielle Überwucherung zu konzentrieren, sondern auch zu versuchen, die Faktoren zu verstehen, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben könnten.
Eingeschränkte Darmmotilität und SIBO
Der Dünndarm verfügt über ein natürliches Bewegungsmuster, das dabei hilft, den Darminhalt durch den Verdauungstrakt zu transportieren.
Zwischen den Mahlzeiten wird unter anderem der sogenannte Migrating Motor Complex (MMC) aktiviert. Dieses wiederkehrende Bewegungsmuster hilft dabei, verbleibende Nahrungsreste und Mikroorganismen durch den Dünndarm weiterzutransportieren.
Ist die Darmmotilität eingeschränkt, kann der Darminhalt länger im Dünndarm verbleiben. Dadurch können Bedingungen entstehen, unter denen sich Bakterien im Dünndarm vermehren.
Die Darmmotilität kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Ein wichtiger Faktor ist erhöhter Stress durch die Aktivierung des sympathischen Nervensystems – des sogenannten Kampf-oder-Flucht-Systems des Körpers.
Kann eine niedrige Magensäure SIBO beeinflussen?
Magensäure ist eine der natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers gegen Mikroorganismen, die über die Nahrung aufgenommen werden.
Ist die Magensäure reduziert, können mehr Mikroorganismen die Passage durch den Magen überleben und anschließend den Dünndarm erreichen. Eine veränderte Magensäureproduktion kann daher einer von mehreren Faktoren sein, die das SIBO-Risiko beeinflussen.
Auch langwirksame Medikamente, die die Magensäureproduktion reduzieren, können bei der Beurteilung möglicher Risikofaktoren relevant sein.
Das bedeutet nicht, dass säurereduzierende Medikamente automatisch SIBO verursachen. Der Zusammenhang sollte immer gemeinsam mit anderen Faktoren betrachtet werden.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen SIBO und IBS?
SIBO und IBS können viele der gleichen Symptome verursachen, insbesondere Blähungen, Gase, Bauchschmerzen und veränderte Stuhlgewohnheiten.
IBS ist eine funktionelle Magen-Darm-Diagnose, die anhand eines bestimmten Symptommusters und einer medizinischen Beurteilung gestellt wird.
SIBO bezeichnet eine Überwucherung beziehungsweise Veränderung der Bakterienpopulation im Dünndarm.
SIBO wurde bei bis zu 85 % der Menschen mit IBS festgestellt.
Kann SIBO die Nährstoffaufnahme beeinflussen?
Bei stärker ausgeprägtem SIBO kann die bakterielle Überwucherung die Verdauung und Nährstoffaufnahme beeinflussen.
Bakterien können bestimmte Nährstoffe verbrauchen und beeinflussen, wie Fette und andere Substanzen abgebaut werden. In einigen Fällen kann dies zu Nährstoffmangel oder einer gestörten Nährstoffaufnahme beitragen.
Mögliche Anzeichen einer beeinträchtigten Nährstoffaufnahme sind:
- Unbeabsichtigter Gewichtsverlust
- Anhaltender Durchfall
- Fettstuhl
- Anzeichen eines Vitamin- oder Mineralstoffmangels
- Blutarmut
Diese Symptome können viele verschiedene Ursachen haben und sollten daher ärztlich abgeklärt werden.
Wie wird SIBO festgestellt?
SIBO kann schwer zu erkennen sein, da sich die Symptome mit vielen anderen Magen-Darm-Beschwerden überschneiden.
Eine Möglichkeit zur Untersuchung auf SIBO ist ein Urintest für zu Hause, beispielsweise der Vier-in-eins-Test. Dabei wird eine Lösung getrunken und anschließend werden Biomarker im Urin gemessen.
Auch Atemtests sind nicht invasiv. Die Testergebnisse können jedoch durch zahlreiche unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden. Dies könnte erklären, warum die Sensitivität von Atemtests – also die Fähigkeit, das Problem korrekt zu erkennen – bei etwa 55 % liegt.
Es gibt außerdem invasivere Methoden, bei denen Proben aus dem Dünndarm entnommen werden. Diese werden jedoch weniger häufig eingesetzt. Solche Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass SIBO bereits im Zwölffingerdarm, also ganz am Anfang des Dünndarms, beginnen kann.
Wie kann SIBO behandelt werden?
Das Ziel besteht darin, die bakterielle Überwucherung zu behandeln und gleichzeitig mögliche zugrunde liegende Faktoren zu erkennen, die zu wiederkehrenden Beschwerden beitragen können.
Zugrunde liegende Faktoren angehen
Wenn beispielsweise eine eingeschränkte Darmmotilität, eine frühere Darminfektion, Medikamente oder ein anderer Faktor zu SIBO beitragen, ist es wichtig, die zugrunde liegende Ursache nach Möglichkeit zu erkennen und anzugehen.
Antibiotika
Rifaximin ist ein Antibiotikum, das im Zusammenhang mit SIBO untersucht wurde.
Ernährungsumstellung
Ernährungsänderungen können bei manchen Menschen dazu beitragen, Beschwerden zu reduzieren.
Eine Low-FODMAP-Ernährung kann beispielsweise die Menge fermentierbarer Kohlenhydrate in der Ernährung reduzieren und dadurch möglicherweise Gasbildung und Blähungen verringern.
Es ist jedoch wichtig, zwischen einer Linderung der Symptome und der Behandlung der eigentlichen bakteriellen Überwucherung zu unterscheiden. Eine Ernährungsumstellung kann Beschwerden reduzieren, ohne die zugrunde liegende Ursache der bakteriellen Überwucherung zu beheben.
Pflanzliche antimikrobielle Präparate
Pflanzliche antimikrobielle Präparate wie GutClear® werden von manchen Menschen als Alternative oder Ergänzung zu anderen Strategien eingesetzt.
Die wissenschaftliche Evidenz unterscheidet sich je nach Präparat. Die Anwendung sollte daher an die individuelle Situation angepasst werden.
Kann die Ernährung bei SIBO helfen?
Manche Menschen erleben weniger Blähungen und Gase, wenn sie vorübergehend Lebensmittel einschränken, die von Bakterien leicht fermentiert werden. Eine Low-FODMAP-Ernährung ist ein Beispiel für eine Ernährungsstrategie, die zur Linderung von Beschwerden eingesetzt werden kann.
Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch von Person zu Person. Bei manchen Menschen mit SIBO hat sich gezeigt, dass eine zusätzliche Erhöhung der Ballaststoffzufuhr die Beschwerden sogar verstärken kann.
Eine sehr restriktive Ernährung sollte nicht länger als notwendig eingehalten werden. Ziel sollte eine nährstoffreiche und langfristig umsetzbare Ernährung sein, die zur jeweiligen Person passt. Dies kann auch ein Grund sein, die bakterielle Überwucherung selbst mithilfe antimikrobieller Produkte anzugehen.
Kann SIBO wiederkommen?
Ja, wiederkehrende Beschwerden können auftreten.
Wenn der zugrunde liegende Faktor, der zu SIBO beigetragen hat, bestehen bleibt, kann das Risiko für wiederkehrende Beschwerden höher sein.
Deshalb ist es wichtig, sich nicht nur auf die bakterielle Überwucherung zu konzentrieren, sondern auch zu versuchen zu verstehen, warum sie ursprünglich entstanden ist.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Lang anhaltende oder wiederkehrende Magen-Darm-Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn sie den Alltag beeinträchtigen.
Besonders wichtig ist eine ärztliche Abklärung bei:
- Unbeabsichtigtem Gewichtsverlust
- Blut im Stuhl
- Anhaltenden oder starken Bauchschmerzen
- Fieber
- Anhaltendem Durchfall
- Anzeichen eines Nährstoffmangels oder einer Blutarmut
- Neu auftretenden oder deutlich veränderten Magen-Darm-Beschwerden
Da SIBO vielen anderen Magen-Darm-Erkrankungen ähneln kann, ist eine angemessene medizinische Abklärung wichtig, bevor eine Behandlung oder andere Strategie begonnen wird.


