TMAO – eine Verbindung, die entsteht, wenn Darmbakterien Nährstoffe aus rotem Fleisch, Eiern und Fisch (Cholin, L-Carnitin, Phosphatidylcholin) abbauen – wird nun direkt mit Vernarbungen (Fibrose) in Niere, Herz und Leber in Verbindung gebracht. Der Stoffwechselweg beginnt vollständig im Darm: Darmmikroben wandeln Nahrungsnährstoffe um → TMA → die Leber wandelt es um → TMAO im Blut. Ein chronisch erhöhter TMAO-Spiegel ist nicht nur ein Anzeichen für eine Erkrankung – er treibt über verschiedene molekulare Mechanismen aktiv die Schädigung der Organe voran.
Gewebefibrose – die übermäßige Bildung von Narbengewebe (extrazelluläre Matrix) in Organen – ist für bis zu 45 % aller Todesfälle in Industrienationen verantwortlich. Sie ist der gemeinsame Endpunkt bei Erkrankungen wie chronischer Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz, Fettlebererkrankung und systemischer Sklerose. Trotz ihrer hohen Prävalenz sind die Ursachen kaum erforscht.
Diese Übersichtsarbeit zeigt, dass das Darmmikrobiom eine zentrale und bislang unterschätzte Rolle bei der Entstehung von Fibrose spielt. Darmbakterien wandeln Vorläuferstoffe aus der Nahrung in TMA um, das das Leberenzym FMO3 in TMAO umwandelt. Chronisch erhöhte TMAO-Spiegel aktivieren dann gleichzeitig in mehreren Organsystemen profibrotische Signalkaskaden – TGF-β/SMAD3, NLRP3-Inflammasom, PERK/Akt/mTOR.
Entscheidend ist, dass der Artikel auch therapeutische Strategien beleuchtet: Ernährungsumstellungen, Probiotika und insbesondere niedermolekulare TMA-Lyase-Inhibitoren (DMB und IMC), die TMAO reduzieren können, ohne Darmbakterien abzutöten – ein schonenderer, gezielterer Ansatz als Antibiotika.
Niere
Herz
Leber
Systemische Sklerose
Therapeutische Strategien
Jang JW, Capaldi E, Smith T, Verma P, Varga J, Ho KJ. Trimethylamine N-oxide: a meta-organismal axis linking the gut and fibrosis. Molecular Medicine. 2024;30:128.