SIBO ist eine häufige, aber oft übersehene Darmerkrankung, und diese Übersichtsarbeit stellt einen Zusammenhang zwischen SIBO und schweren psychiatrischen sowie neurodegenerativen Erkrankungen (Autismus, Schizophrenie, Alzheimer, Parkinson, Depression) her, der auf einen gestörten Tryptophan-Stoffwechsel zurückzuführen ist. Außerdem wird eine Schilddrüsenfunktionsstörung als möglicher vermittelnder Faktor genannt. Das Verständnis dieses Zusammenhangs zwischen Darm, Gehirn und Schilddrüse könnte neue diagnostische Marker und Behandlungsansätze eröffnen – wie beispielsweise die Behandlung einer Darmdysbiose zusätzlich zu oder anstelle einer rein psychiatrischen medikamentösen Therapie – für Erkrankungen, die ansonsten schwer zu behandeln sind.
Diese Mini-Übersichtsarbeit fasst die Literatur zusammen (die aus über 2,6 Millionen ursprünglichen Datensätzen auf eine gezielte Auswahl von Studien aus den Jahren 1992–2023 eingegrenzt wurde), in der untersucht wird, wie sich SIBO über den Serotonin- und den Kynurenin-Stoffwechselweg auf den Tryptophan-Stoffwechsel auswirkt und inwiefern diese Dysregulation mit verschiedenen psychiatrischen und neurodegenerativen Erkrankungen in Zusammenhang steht. Zudem wird untersucht, wie eine Schilddrüsenfunktionsstörung (insbesondere Hypothyreose und autoimmune Schilddrüsenerkrankungen) sowohl mit SIBO als auch mit einer Darmdysbiose interagiert und dadurch möglicherweise psychiatrische Symptome verschlimmert. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass kausale Zusammenhänge weiterhin unklar sind, und fordern weitere Längsschnittstudien, während sie gleichzeitig vorschlagen, dass auf das Darmmikrobiom ausgerichtete Therapien einen neuen Behandlungsansatz für diese Erkrankungen bieten könnten.
Bogielski B, Michalczyk K, Głodek P, Tempka B, Gębski W, Stygar D (2024). Association between small intestine bacterial overgrowth and psychiatric disorders. Frontiers in Endocrinology 15:1438066. doi: 10.3389/fendo.2024.1438066