Typ-2-Diabetes (T2DM) ist durch eine verminderte Insulinsekretion und Insulinresistenz gekennzeichnet, und eine bakterielle Überbesiedelung des Dünndarms (SIBO) wird zunehmend mit Stoffwechselerkrankungen in Verbindung gebracht. Während frühere Forschungsarbeiten einen Zusammenhang zwischen SIBO und diabetischen Komplikationen wie gastrointestinalen Symptomen und Neuropathie herstellten, gab es bislang kaum Studien, die untersuchten, ob SIBO die Funktion der Betazellen (die für die Insulinproduktion verantwortlichen Zellen der Bauchspeicheldrüse) direkt beeinflusst. Das Verständnis dieses Zusammenhangs könnte neue Wege zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei T2DM-Patienten eröffnen, indem gezielt auf die Darmbakterien eingewirkt wird.
In dieser retrospektiven Beobachtungsstudie wurden 104 T2DM-Patienten des Chu Hsien-I Memorial Hospital der Medizinischen Universität Tianjin (April 2016–August 2018) untersucht, die anhand eines Glukose-H₂/CH₄-Atemtests in eine SIBO-positive (56 Patienten) und eine SIBO-negative (48 Patienten) Gruppe unterteilt wurden. Bei allen Patienten wurde ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) durchgeführt, um die Insulinsensitivität (1/HOMA-IR, ISIM) und die Insulinausschüttung (HOMA-β, Insulinsekretionsindizes der Frühphase und der Gesamtphase) zu beurteilen. Die Studie ergab, dass SIBO-positive Patienten schlechtere glykämische Marker und eine geringere Insulinsekretion aufwiesen als SIBO-negative Patienten, was darauf hindeutet, dass SIBO die Betazellfunktion unabhängig von anderen Faktoren beeinträchtigen könnte.
Yan L, Mu B, Pan D, Shi Y, Yuan J, Guan Y, Li W, Zhu X, Guo L. Association between small intestinal bacterial overgrowth and beta-cell function of type 2 diabetes. J Int Med Res. 2020;48(7):1-10. doi:10.1177/0300060520937866