Typ-1-Diabetes ist mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) und Nierenkomplikationen verbunden, und die derzeit bekannten Risikofaktoren lassen nicht vollständig erkennen, bei wem diese Komplikationen auftreten werden. TMAO, ein aus der Darmmikrobiota stammender Metabolit, war bereits in anderen Populationen (einschließlich Typ-2-Diabetes) mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenerkrankungen in Verbindung gebracht worden, doch sein prognostischer Wert speziell bei Typ-1-Diabetes war bislang nicht untersucht worden. Zu verstehen, ob TMAO einen zusätzlichen prädiktiven Wert bietet – und ob dieser Wert unabhängig von der Nierenfunktion ist –, ist wichtig für die Identifizierung neuer Biomarker, die eine frühzeitigere Behandlung und Risikostratifizierung ermöglichen.
In dieser prospektiven Studie wurden 1.159 Personen mit Typ-1-Diabetes (58 % Männer, Durchschnittsalter 46 Jahre) über einen Median von 15 Jahren beobachtet, wobei der TMAO-Plasmaspiegel zu Studienbeginn gemessen und Mortalität, kardiovaskuläre Ereignisse sowie renale Endpunkte anhand dänischer nationaler Register erfasst wurden. In unbereinigten Modellen war ein höherer TMAO-Spiegel mit allen Endpunkten assoziiert. Nach Bereinigung um herkömmliche Risikofaktoren blieb TMAO ein signifikanter Prädiktor für die meisten Endpunkte (mit Ausnahme von Schlaganfall und Herzinsuffizienz). Sobald jedoch die eGFR (Nierenfunktion) in das Modell einbezogen wurde, wurden alle Zusammenhänge statistisch insignifikant – was darauf hindeutet, dass die Vorhersagekraft von TMAO weitgehend die zugrunde liegende Nierenfunktion widerspiegelt und nicht als unabhängiger Risikofaktor wirkt.
Winther SA, Øllgaard JC, Tofte N, et al. Utility of Plasma Concentration of Trimethylamine N-Oxide in Predicting Cardiovascular and Renal Complications in Individuals With Type 1 Diabetes. Diabetes Care. 2019;42(8):1512-1520.