Das Reizdarmsyndrom (IBS) betrifft weltweit etwa 11 % der Erwachsenen und beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Die dahinterstehenden biologischen Mechanismen – insbesondere eine veränderte Darmpermeabilität („Leaky Gut“) – lassen sich jedoch bislang nur schwer zuverlässig messen. Bestehende Tests (wie der Laktulose-Mannitol-Test oder Darmbiopsien) sind invasiv, zeitaufwendig oder unzuverlässig. Die Identifizierung eines einfachen blutbasierten Biomarkers wie Zonulin könnte die Diagnose und künftige gezielte Behandlungen praktischer und zugänglicher machen.
In der Studie wurden die Serumspiegel von Zonulin und des intestinalen Fettsäure-bindenden Proteins (I-FABP) in vier Gruppen verglichen: IBS mit vorwiegendem Durchfall (IBS-D, n = 50), IBS mit vorwiegender Verstopfung (IBS-C, n = 50), Zöliakie (n = 53) und gesunde Kontrollpersonen (n = 42). Die Zonulinwerte waren sowohl bei IBS-D als auch bei IBS-C im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen signifikant höher und lagen auf einem Niveau, das mit dem bei aktiver Zöliakie beobachteten vergleichbar war. Die I-FABP-Werte waren bei IBS-Patienten jedoch nicht erhöht, was auf keine signifikante Schädigung der Enterozyten (Darmzellen) hindeutet – wodurch sich der Mechanismus der Permeabilitätsveränderung bei IBS von dem bei Zöliakie unterscheidet.
Singh P, Silvester J, Chen X, Xu H, Sawhney V, Rangan V, Iturrino J, Nee J, Duerksen DR, Lembo A. Serum zonulin is elevated in IBS and correlates with stool frequency in IBS-D. United European Gastroenterology Journal. 2019;7(5):709-715. doi:10.1177/2050640619826419