AMD ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Erblindung und betrifft rund 196 Millionen Menschen weltweit; die Prävalenz wird bis 2040 voraussichtlich auf 288 Millionen ansteigen. Die feuchte (neovaskuläre) AMD ist zwar seltener als die trockene AMD, verursacht jedoch 90 % des durch AMD bedingten Sehverlusts. Das Verständnis der sich abzeichnenden „Darm-Netzhaut-Achse“ – also der Frage, wie die Zusammensetzung des Darmmikrobioms Entzündungen der Netzhaut und die choroidale Neovaskularisation (CNV) beeinflusst – eröffnet neue Wege für therapeutische Strategien, die über die derzeitigen Behandlungen hinausgehen, zumal die Krankheitsmechanismen noch nicht vollständig verstanden sind.
Dieser Überblick befasst sich mit präklinischen und klinischen Erkenntnissen, die eine Dysbiose des Darmmikrobioms mit der Pathogenese der AMD in Verbindung bringen. Anhand keimfreier (GF) und gnotobiotischer Mausmodelle haben das Labor der Autoren sowie andere Forscher gezeigt, dass das Fehlen einer Darmmikrobiota die Transkriptome der Aderhaut und der Netzhaut verändert, Angiogenese- und Entzündungswege beeinflusst und den Schweregrad von CNV-Läsionen moduliert. Sowohl die Ernährung (fettreich, mit hohem glykämischen Index) als auch das Altern beeinflussen die Zusammensetzung der Darmmikrobiota, was wiederum über eine erhöhte Darmpermeabilität, die Zirkulation pathogenassoziierter molekularer Muster und die daraus resultierende Immunaktivierung Entzündungen in der Netzhaut beeinflusst. Klinische metagenomische Studien an AMD-Patienten untermauern zudem das Vorhandensein spezifischer mikrobieller Signaturen, die mit dem Krankheitszustand assoziiert sind, und genetische Risikofaktoren (CFH, ARMS2) scheinen mit der Darmdysbiose zu interagieren und so die Entwicklung der AMD zu beeinflussen.
Luo W, Skondra D (2023) Implication of gut microbiome in age-related macular degeneration. Neural Regen Res 18(12):2699–2700.