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Bakterielle Überbesiedelung des Dünndarms und Reizdarmsyndrom: Eine Brücke zwischen der Dichotomie von funktionellen und organischen Erkrankungen

Warum dies für Ihre Darmgesundheit wichtig ist

Lange Zeit ging man davon aus, dass das Reizdarmsyndrom (IBS) größtenteils psychologischer Natur sei, doch diese Übersichtsarbeit fasst die Erkenntnisse zusammen, dass eine Darmdysbiose – insbesondere eine bakterielle Überbesiedelung des Dünndarms (SIBO) – bei einer Untergruppe von IBS-Patienten eine echte organische Rolle spielt. Diese neue Sichtweise hat direkte klinische Auswirkungen: Sie rechtfertigt die Untersuchung auf SIBO und dessen Behandlung (mit Antibiotika, Probiotika und Ernährungsumstellungen), anstatt das IBS ausschließlich als funktionelle bzw. psychosomatische Störung zu behandeln.

Zusammenfassung

Der Übersichtsartikel befasst sich mit der Physiologie der Darmflora, den Schutzmechanismen, die normalerweise eine SIBO verhindern, den Methoden zur Diagnose einer SIBO (Kultur von Jejunum-Aspiraten, Glukose- und Laktulose-Wasserstoff-Atemtests) sowie der Frage, warum die Prävalenzschätzungen je nach Testmethode und Population so stark variieren (4–78 % bei IBS-Patienten). Es werden Risikofaktoren für SIBO bei IBS-Patienten, die Mikrobiologie der Überbesiedelung, vorgeschlagene Mechanismen, die SIBO mit IBS-Symptomen in Verbindung bringen (Gasbildung, Dekonjugation von Gallensäuren, Immunaktivierung, viszerale Überempfindlichkeit), sowie Behandlungsansätze untersucht – wobei sich Rifaximin als das Antibiotikum der Wahl herauskristallisiert.

Wichtigste Ergebnisse

  • Die Prävalenz von SIBO liegt bei IBS-Patienten zwischen 4 und 78 % gegenüber 1 bis 40 % in der Kontrollgruppe, was größtenteils auf unterschiedliche Diagnosekriterien zurückzuführen ist.
  • Der Glukose-Wasserstoff-Atemtest (GHBT) ist hochspezifisch (78–97 %), weist jedoch eine geringe Sensitivität auf (15,7–62 %); bei den „Early-Peak“-Kriterien des Laktulose-Atemtests (LHBT) ist es umgekehrt – sie sind unspezifisch, führen jedoch häufig zu einer Überdiagnose von SIBO.
  • Zwei Metaanalysen ergaben bei IBS-Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für positive SIBO-Testergebnisse (OR 3,45–4,7 bzw. OR 4,46).
  • Zu den Risikofaktoren für SIBO bei IBS zählen das weibliche Geschlecht, höheres Alter, IBS mit vorwiegend Durchfall, ausgeprägte Blähungen/Flatulenz, die Einnahme von PPI und Opioiden sowie ein niedriger Hämoglobinspiegel.
  • Rifaximin ist derzeit die am besten belegte antibiotische Behandlung; die TARGET-1–3-Studien zeigten eine signifikante Symptomlinderung gegenüber Placebo.
  • Probiotika und Ernährungsinterventionen (z. B. Low-FODMAP-Diäten) sind vielversprechend, erfordern jedoch weitere kontrollierte Studien speziell für SIBO-positive IBS-Patienten.

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Zitat

Ghoshal UC, Shukla R, Ghoshal U. Small Intestinal Bacterial Overgrowth and Irritable Bowel Syndrome: A Bridge between Functional Organic Dichotomy. Gut Liver. 2017;11(2):196–208.

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